Quartier e.V.

  



Der Stadtfriedhof Am Lindener Berge

( Lage, Impressionen )

Der Stadtfriedhof Am Lindener Berge wurde 1862 angelegt, nachdem Georg Egestorff der Kirchengemeinde St. Martin zwei Morgen Land geschenkt hatte und dafür die Erlaubnis bekam, mit seinen schweren Salzfuhrwerken die Badenstedter Straße - früher auch als Schwarzer Weg bezeichnet - zu befahren, die nördlich des Lindener Berges verläuft.

Die Scilla ist zwar verblüht, aber die Frühjahrsblüte entwickelt sich erst richtig auf dem Bergfriedhof : (03.05.2013)



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Der unmittelbar an der Badenstedter Straße gelegene Stadtfriedhof hatte seinen Eingang direkt von dieser Straße aus. Der Weg führte entlang einer Allee zu einem Platz mit einer Backsteinkapelle, die nach den Plänen des Architekten Conrad Wilhelm Hase in neugotischem Stil erreichtet wurde. Der einschiffige Raum wird von einem Satteldach überdeckt und hat als einzigen Schmuck die sichtbar belassene Dachkonstruktion. Vorne öffnet sich ein breites, spitzbogiges Portal, das heute aus Sicherheitsgründen durch ein Eisengitter verschlossen ist. Im hinteren Viertel des Gebäudes teilt eine Querwand mit spitzbogiger Altarnische eine Leichen- und Gerätekammer ab. Die Einweihung der Kapelle erfolgte am 31.Mai 1864.

Bereits in einem Plan von 1862 sind am Platz vor der Kapelle die Erbbegräbnisse der Familien von Alten (erhalten), Niemeyer, Roscher und Knust eingetragen. Am Hauptweg folgen die Grabstellen der Familien Wissel und Sandvoß, daneben Hurlebusch (erhalten). ,,An den Hauptwegen durften die Reichen prunken, an den Nebenwegen der Mittelstand; der gemeine Mann wurde auf die dahinterliegenden Quartiere hinter Hecken und Strauchwerk verwiesen."

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Unweit der Kapelle lag bis zum Herbst 2002 das Werkgebäude. Es taucht erstmalig auf den Stadtplänen von 1891 auf. Entstehung und der Name des Architekten sind unbekannt. Nach undatierten Bauzeichnungen enthielt es eine Leichen- und eine Gerätekammer sowie zwei getrennte Aborte für Frauen und Männer. Die Fenster und die große Tür hatten rundbogige Stürze, die Seitentüren hatten flachgewölbte Stürze. Erst 1902 erfolgte eine Erweiterung durch den Architekten Karl Mohrmann. Erhebliche Veränderungen erfuhr das Gebäude durch Umbauten in den zwanziger Jahren und nach den Kriegszerstörungen. Durch fehlende Unterhaltung verottete das Gebäude und wurde im Herbst 2002 abgerissen.

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Neun Jahre nach der ersten Schenkung stellten die Erben Egestorffs weitere 1,5 Morgen Land der Kirche zur Verfügung. 1874 wurde durch den Ankauf von knapp 10 Morgen Land des Hofbesitzers W. Schmidt der Friedhof erweitert. 1884 und 1894 erwarb die Kirche weitere 4 bzw. 8,5 Morgen Land, so dass die endgültige Größe von 6,8 Hektar erreicht wurde.

Die Wege folgten einem regelmäßigen Raster, das die einzelnen Grabfelder abteilte und somit das frühere Teilungsschema fortführte. Zum Schmuck und zur Orientierung wurde 1884 in der Mitte des Friedhofs ein Brunnen errichtet, der vom Friedensengel bekrönt wird, einer von Karl Gundelach geschaffenen Sandsteinfigur.

1906 übernahm die Stadt Linden die Friedhöfe und ließ nach der Eröffnung des Hauptfriedhofs in Ricklingen im Jahre 1908 die Reihengräber auf dem Lindener Bergfriedhof schließen. Bis heute sind nur noch Beisetzungen auf Erbbegräbnisstätten und in den Grüften genehmigungsfähig.

Im Sommer 1913 konnte hier im südlichen Teil des Friedhofs die Lindener Bürgerstiftung den eingelagerten Küchengartenpavillon wieder errichten, der 1937 durch das ehemalige Portal des Küchengartens und eine vorgelagerte Parkwiese zu einem barocken Ensemble entwickelt wurde. Von den Dachterrassen des Küchengartenpavillons soll man einen Blick bis nach Herrenhausen zum Schloß gehabt haben.

Im II. Weltkrieg zerstörten Bomben und Luftminen Teile der Friedhofsmauer und viele Grabstellen, die insgesamt 4.818 Kubikmeter Trümmerschutt ergaben. Der Schutt diente zum Befestigen und Einfassen der neuen Wege. 1952 wurde die Nordmauer entlang der Badenstedter Straße erneuert, jedoch acht Jahre später abgebrochen, um einer Straßenverbreiterung zu weichen. Weiterhin kostete diese Verbreiterung der Badenstedter Straße den Friedhof 5.500 Quadratmeter. Dazu mußten 16 Erbbegräbnisse und 18 Reihengräber verlegt werden. Der alte Haupteingang wurde geschlossen. Schließlich wurde der Friedhof 1965 aufgelassen. Mit der Entwidmung wird er seinen parkähnlichen Charakter weiterentwickeln. Dem steht auch eine neu entbrannte Diskussion um Urnenbeisetzungen auf dem Lindener Bergfriedhof nicht entgegen.

Bergfriedhof im Schnee


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